„Das kannst du knicken!“
Unter diesem Motto haben wir unser Türchen gestaltet. In der vorhergehenden Jungscharstunde bauten wir einen Rahmen aus Holz und Karnickeldraht, in den wir dann viele, viele Knicklichter "eingewoben" haben. Am Schluss entstand ein Bild der Krippe im Stall von Bethlehem.
Das kannste knicken …
sagen die Eltern, als sie den Wunschzettel ihres
Sohnes sehen. Das neue Fahrrad wäre viel zu teuer.
Das kannste knicken …
sagt der Personalchef zur Schulabgängerin, die sich um die Lehrstelle
bewirbt. „Mit deinen Kopfnoten? Und mit einer Vier in Mathe?“
Das kannste knicken …
sagen die Leute untereinander, wenn sie sich fragen, ob die Zerstrittenen wieder miteinander reden. „Da ist viel zu viel Porzellan zerbrochen!“
Das kannste knicken …
Wie viele Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen musstest du schon knicken? Wie viele Enttäuschungen hinnehmen? Wie oft hat dein Selbstvertrauen schon einen Knacks bekommen? Wie viel ist dir heute misslungen? Wie geknickt stehst du heute hier?
Ganz geknickt – wie geknickt ist eine Fünfzehnjährige, wenn sie plötzlich schwanger ist? Wie geknickt Maria wohl war? Ihr Ruf, ihre Zukunft, ihre Träume – alles geknickt?
Ganz geknickt – Joseph. Seine Verlobte bekommt ein Kind – aber
nicht von ihm. Wie geknickt ist sein Vertrauen? Wunschkind? Heile
Familie? Kannste knicken.
Und dann diese unerträgliche Reise. Unfreiwillig. Irgendwo wohlwollend
erwartet oder wenigstens aufgenommen werden? Kein Raum in der
Herberge. Kannste knicken!
Ganz geknickt – die Hirten. Wieder mal wurde ein Schaf gerissen, obwohl sie doch so gut aufgepasst hatten, obwohl sie ihr Bestes gegeben hatten. Ganz geknickt, weil niemanden wirklich interessiert, was sie hier draußen tun. Weil sie nichts zu sagen haben. Selbst die Schafe gehorchen dem Hund besser. Karriere, Krankenversicherung, eigenes Haus, Rente? Kannste knicken!
Und dann das Kind in der Krippe, mitten unter all den Geknickten: König? Pracht und Herrlichkeit? Konnte er knicken, nein, wollte er knicken. Über all den Geknickten hat der Himmel einen Knick bekommen!
Da wird es plötzlich hell, mitten in der Nacht. Weil es Gott das Herz geknickt hat. Er konnte es nicht länger mit ansehen, wie wir von enttäuschten Hoffnungen und Erwartungen, von vergeblichen Anstrengungen, von Schmerz und Schuld geknickt werden. Er hält sein Versprechen: Den glimmenden Docht will ich nicht auslöschen und das geknickte Rohr will ich nicht zerbrechen. Stattdessen wird sein Sohn, das Kind in der Krippe, ein Geknickter – am Kreuz.
Gott vergibt, Gott hilft, Gott ermutigt: Mit dem Kind im Stall geht uns ein Licht auf! Alles andere kannst knicken!
Chr. Lücking
